Spanien begrüßt uns auf besondere Weise
Die Überfahrt nach Barcelona dauerte ungefähr vier Stunden länger als erwartet. Als wir nachts um zwei Uhr von der Fähre rollten, waren wir total übermüdet. Auf unserem Platz in der Villengegend, hatten wir gut, aber nicht ausgiebig geschlafen. Ohne Frühstück begaben wir uns auf die Autobahn A7 in Richtung Süden. Wir waren noch nicht weit gekommen, als uns ein Personenwagen überholte. Man machte uns Zeichen, die auf ein etwaiges Problem an unserem Wagen hindeuteten.

Bei der nächsten Notfallbucht hielt dieser Wagen an, wir folgten dem Beispiel im guten Glauben, dass man uns vor Schlimmerem bewahren möchte. Weit gefehlt! Wir wurden Opfer eines Raubüberfalls. Der erste hat uns abgelenkt, der zweite ist ins Führerhaus gestiegen, der dritte hatte schon den Fuß auf dem Gaspedal. Ehe wir uns versahen, verschwand der Wagen im lebhaften Verkehr. Dabei Wolfgangs Bauchgurt und mein Rucksack.

Der Schreck hat uns die Sprache verschlagen, nach kurzer Verschnaufpause haben wir unsere Kreditkarten gesperrt. Die Vorstellung, dass unsere sämtlichen Dokumente wie Personalausweis, Führerschein, Kraftfahrzeugschein und andere weg waren, ist schockierend. Das alles wieder zu beschaffen bedeutet Geld und vor allem Zeit. Ich habe sofort die Adresse der nächsten Polizeistation rausgesucht. Dort war man nicht erstaunt, Betroffene dieser Methode erscheinen hier täglich, angeblich seit 15 Jahren. Mitleidende waren zum Zeitpunkt auf der Station. Deren Angriff fand auf andere Art statt, eine Scheibe musste dran glauben, die Wertsachen waren ebenfalls weg.

Im Zusammenhang mit der polizeilichen Meldung in EL Vendrell, war eine Email Adresse gewünscht. Falls unsere Sachen auftauchen sollten, werde man sich melden! Das schien mir sehr unwahrscheinlich. Wir konnten ja lediglich Angaben bezüglich des Tatorts machen. El Vendrell scheint eine sehr schöne Stadt zu sein. Uns hatte die Sache jedoch gründlich die Laune verdorben, wir flüchteten auf den am Stadtrand gelegenen Campingplatz, um erst mal durchzuatmen. Und noch am selben Abend, kam eine Mail der Polizei aus Girona, die Autobahnpolizei hatte unsere Sachen gefunden, wir konnten sie dort abholen. Girona lag zwar nicht in unserer Richtung, die 170 km machten wir am folgenden Tag trotzdem gerne. Die Diebe hatten lediglich das Bargeld genommen, was schmerzlich genug war. Unsere Dokumente haben wir allesamt zurück. Geholfen hat der Umstand, dass wir genaue Angaben machen konnten was die Suche betrifft. Geholfen hat auch der Apple Airtag in Wolfgangs Tasche. Mein Rucksack konnte durch die Ear Pods geortet werden.

Unser gemeinsamer Beschluss für die weitere Fahrt war schnell gefasst. Die Küstenstraße und insbesondere die Autobahnen, wollten wir in der nächsten Zeit meiden. Wir hatten davor mit dem Gedanken gespielt, nach Marokko überzuwechseln. Dort hatte es uns vor zwei Jahren so sehr gefallen. Diesen Plan haben wir einmütig verworfen. Letztlich haben wir den Großteil unseres Plastikgelds geopfert, auf den Rest müssen wir jetzt aufpassen.

Der Beschluss lautet, die Pyrenäen zu überqueren, dann Richtung Toulouse und weiter zum Atlantik. Wir wollen durchaus noch einige Zeit im Süden bleiben. Die Camping Plätze sind zwar großteils geschlossen, man findet trotzdem schöne Stellen, die zum Übernachten geeignet sind.